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Erklärung der IP-Schutzart

11.05.2026

Die IP-Schutzart (Ingress Protection) ist ein von der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) entwickeltes System zur Klassifizierung des Gehäuseschutzes, basierend auf der Norm IEC 60529 aus dem Jahr 1976. Sie misst die Fähigkeit von Gehäusen elektrischer Geräte, dem Eindringen von festen Partikeln und Flüssigkeiten standzuhalten. In fast fünf Jahrzehnten hat sich diese Norm von ihrer ursprünglichen Anwendung auf Großgeräte wie industrielle Verteilerkästen, Motoren und Schaltanlagen auf nahezu alle elektronischen Geräte ausgeweitet, die in nicht idealen Umgebungen betrieben werden – darunter Smartphones, Smartwatches, Industrieroboter, Ladestationen und Photovoltaik-Wechselrichter. Statistiken zeigen, dass über 50 % der Geräteausfälle im Außenbereich und in industriellen Umgebungen auf nicht-elektrische Faktoren zurückzuführen sind. Feuchtigkeit, Staub, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen sowie Reinigungsverfahren zählen zu den Hauptursachen.

I. Die Struktur von IP-Codes: Die subtile Kunst hinter den zwei Ziffern

Ein IP-Code besteht aus zwei Ziffern. Streng genommen kann ein vollständiger IP-Code zusätzliche Buchstaben enthalten, aber in den meisten industriellen Anwendungen werden überwiegend zweistellige Codes verwendet.

1.1 Erste Ziffer: Schutz vor festen Fremdkörpern (0–6)

0: Kein Schutz

1: Korrosionsschutzdurchmesser ≥50 mm für feste Materialien (z. B. Handrücken)

2: Feste Gegenstände mit einem Durchmesser ≥ 12,5 mm (z. B. Finger) sollten vermieden werden.

3: Feste Gegenstände mit einem Durchmesser von ≥2,5 mm (z. B. Werkzeuge, dicke Drähte) sollten vermieden werden.

4: Feste Materialien mit einem Durchmesser ≥1,0 ​​mm (z. B. feine Metalldrähte) sind verboten.

5: Staubgeschützt – Geringe Staubmengen können eindringen, beeinträchtigen die Funktionalität jedoch nicht.

6: Staubdicht – Vollständig staubabweisend

Im Bereich der industriellen Sensoren ist IP6X die gängigste Staubschutzklasse. Dank seiner staubdichten Bauweise kann kein Staub in das Gerät eindringen, wodurch ein langfristig stabiler Betrieb auch unter extremen Bedingungen wie in staubigen Fabrikhallen, Zementwerken und Bergwerken gewährleistet wird. Wichtig ist, dass IP5X zwar als „staubdicht“ bezeichnet wird, aber keinen vollständigen Schutz bietet – geringe Staubmengen können eindringen, ohne die Geräteleistung zu beeinträchtigen. Dieser Unterschied wird bei der Produktauswahl oft missverstanden.

1.2 Zweite Ziffer: Schutzart gegen Eindringen von Flüssigkeiten (0–9K)

Der Schutzgrad reicht von 0 bis 9K, wobei 0 keinen Schutz bedeutet und höhere Zahlen einen stärkeren Schutz anzeigen.

Kurzübersichtstabelle für Flüssigkeitsschutzniveau

Schutzart IP Schutzfähigkeit Kerntestbedingungen
IPX0 Kein Schutz
IPX1 Senkrecht zum Tropfen Lassen Sie das Wasser 10 Minuten lang senkrecht tropfen.
IPX2 Verhindern Sie, dass Wasser in einem Winkel von 15° tropft. Neigen Sie das Gefäß um 15° und lassen Sie das Wasser 10 Minuten lang tropfen.
IPX3 Regenwasserschutz Sprühen Sie 10 Minuten lang Wasser innerhalb eines Bereichs von ±60°.
IPX4 Wasser spritzwassergeschützt 10 Minuten lang den ganzen Körper einsprühen.
IPX5 Wasserspritzbarriere 12,5-mm-Düse, 12,5 l/min
IPX6 Beständig gegen intensives Sprühwasser 12,5-mm-Düse, 100 l/min
IPX7 Kurzzeitiges Eintauchen in Wasser vermeiden Wassertiefe: 1 Meter; Dauer: 30 Minuten
IPX8 Beständig gegen dauerhaftes Eintauchen in Wasser (Herstellerangabe zu Tiefe/Zeit) Für Bedingungen, die über IPX7 hinausgehen, muss das Protokoll dies entsprechend spezifizieren.
IPX9K Wassersprühsystem, beständig gegen hohe Temperaturen und hohen Druck Wassertemperatur: 80 °C; Wasserdruck: 100 bar; Durchflussrate: 14–16 l/min

II. Detaillierter Vergleich der drei wichtigsten Standards für industrielle Sensoren: IP67, IP68 und IP69K

2.1 IP67: Die grundlegende Garantie für industrielle Umgebungen

Staubdichtigkeit: Absolut staubdicht (IP6X), überstand einen 8-stündigen Test in einer Hochleistungs-Staubkammer ohne sichtbares Eindringen von Staub.

Wasserbeständigkeit: Kurzzeitiges Eintauchen (IPX7); bleibt wasserdicht, wenn es 30 Minuten lang in 1 Meter tiefes Wasser eingetaucht wird.

Testdefinition: Die Testbedingungen für IP67 sind hochgradig standardisiert; alle Hersteller halten sich an dieselben Kriterien – 1 Meter Wassertiefe für 30 Minuten. Daher stellt IP67 eine hochgradig standardisierte Spezifikation dar.

Hauptanwendungsszenarien: Feuchtigkeitskontrolle in Lagerhallen, Schutz vor Wasserspritzern bei der Reinigung von Industrieanlagen und kurzzeitiger Schutz vor starkem Regen im Freien oder versehentlichem Eintauchen in Wasser; häufig verwendet in industriellen Sensoren, IoT-Geräten im Außenbereich und Überwachungssystemen im Außenbereich.

2.2 IP68: Speziell entwickelt für längeres Untertauchen

Die Kombination aus IP6X und IPX8 unterscheidet sich hauptsächlich auf der IPX8-Ebene – IEC 60529 legt für diese Schutzart keine einheitliche Tiefe oder Dauer fest, sondern fordert lediglich, dass „die Schutzleistung IP67 übertreffen muss“. Folglich ist IP68 eine flexible Spezifikation mit erheblichen Unterschieden zwischen den Herstellern: Einige IP68-Sensoren funktionieren möglicherweise nur in 1,5 Metern Tiefe für ein bis zwei Stunden effektiv, während andere in Tiefen von 3 oder sogar 10 Metern kontinuierlich arbeiten können.

Die Auswahlrichtlinien betonen: Die vereinbarte Eintauchtiefe und -dauer müssen sowohl in der Anfrage als auch in den Lieferunterlagen explizit angegeben werden. Denn wenn Kunden lediglich das Symbol „IP68“ sehen, ohne Angabe von Tiefe oder Dauer, gelten die Informationen als unvollständig.

Typische Anwendungsfälle sind Industrieanlagen mit Überflutungsrisiko durch Wasserspiegel (wie Pumpstationen, unterirdische Versorgungstunnel und unterirdische Anlagen), Sensoren, die in Flüssigkeiten eingetaucht sind (z. B. Wassertank-Füllstandsüberwachungssysteme und Detektionssysteme für die Meeresaquakultur), und Geräte, die einen langfristigen Unterwasserbetrieb erfordern.

2.3 IP69K: Die bevorzugte Wahl für Spülumgebungen mit hohen Temperaturen und hohem Druck

IP69K ist der Standard für „extremen Schutz“ im Bereich industrieller Sensoren. Er basiert auf der deutschen Norm DIN 40050-9 und ist heute international durch die Norm ISO 20653 weitgehend übernommen worden. Die Kernprüfbedingungen sind besonders streng: Hochtemperaturwasser von 80 °C, hoher Druck von 100 bar (ca. 1450 psi) und eine Wasserdurchflussrate von 14–16 l/min. Das Wasser wird jeweils 30 Sekunden lang aus vier Richtungen (0°, 30°, 60° und 90°) versprüht, wobei die Düse 100–150 mm entfernt positioniert ist.

Es ist wichtig zu beachten, dass IP69K eine Schutzart speziell für Hochspannungs- und Hochtemperatur-Wassersprühanwendungen ist. Obwohl die Wasserdichtigkeit außerordentlich hoch ist, bewertet die Testmethodik keine Langzeit-Untertauchbedingungen. Bei statischer Eintauchprüfung bietet IP69K daher möglicherweise keine bessere Schutzleistung als IP68.

Hauptanwendungsgebiete: Lebensmittelverarbeitungsanlagen und Brauereien (die häufige Hochtemperaturdesinfektion und Spülung erfordern); pharmazeutische und medizinische Geräte (Hochdruckdampfreinigung in Reinräumen); Landmaschinen und Nutzfahrzeuge (die nach dem Einsatz in schlammigen oder öligen Umgebungen eine Hochdruckwasserstrahlspülung erfordern); Fleischverarbeitungsbetriebe; Molkereien; Getränkeproduktionsanlagen; und Automobilherstellung (Reinigung von Motorräumen und Bauteilen von Nutzfahrzeugen).

Ein hohes Maß an IP-Kenntnissen ist kein Allheilmittel, aber fehlende IP-Kenntnisse sind absolut inakzeptabel.

Die IP-Schutzart ist lediglich einer der grundlegenden Schwellenwerte zur Bewertung des Gehäuseschutzsystems eines Geräts – sie berücksichtigt nicht alle Langzeitwirkungen realer Bedingungen wie Temperaturschwankungen, chemische Korrosion oder mechanische Vibrationen. Sie dient jedoch als der direkteste, quantifizierbarste und überprüfbarste Ausgangsindikator.